Was hat Strumpfhosentragen mit Sexismus zu tun?

Zwei weibliche und ein männlicher Flugbegeliter von Austrian Airlines

Flugbegleiterinnen bei Austrian Airlines bekommen ihre roten Strumpfhosen vom Arbeitgeber. | © Austrian Airlines

Unter der Überschrift „Sexismus-Vorwürfe gegen die Swiss“ hat die Basler Zeitung einen Beitrag veröffentlicht, der mich ziemlich in Erstaunen versetzt hat. Vor allem, weil ich das eigentliche Thema nicht herausfinden kann. Mit Bezug auf ein anderes Medium erklärt die Basler Zeitung, dass die „weiblichen Flight Attendants Lippenstift auftragen und – falls sie einen Rock wählen – auch eine Strumpfhose anziehen“ müssten. Dass dies im Jahr 2019 überhaupt eine Erwähnung wert ist, ist schon erstaunlich genug. Es sei denn, es wäre vorher anders gewesen. Über eine Änderung der Regeln ist aber nichts zu lesen. Als ehemaliger Vielflieger habe ich eine Menge Flugbegleiterinnen in Röcken gesehen, nie eine mit nackten Beinen.

Worum also geht es? Vielleicht darum, dass, so die Behauptung, die Angestellten der Fluglinie beides, Lippenstift und Strumpfhose, selbst bezahlen müssten? Mag sein. Aber auch das wird erst zu einer Meldung, wenn die Frauen diese Kosten nicht beispielsweise durch höhere Gehälter als bei Kolleginnen anderer Fluggesellschaften wieder gut gemacht bekämen. Fakt ist, dass ich schon in den 1970er Jahren als Aushilfe bei der damaligen Deutschen Bundespost „Kittelgeld“ bekommen habe, wenn ich mit meiner eigenen Kleidung zur Arbeit erschienen bin. Fakt ist auch, dass beispielsweise die Austrian Airlines ihren Flugbegleiterinnen die bekannten roten Strumpfhosen zur Verfügung stellt, indem sie jährlich einige tausend Stück davon ordern. Eine irgendwie geartete Entschädigung durch die Swiss ist also durchaus denkbar. Dies wird auch dadurch nicht klarer, dass Denny Manimanakis, Präsident der Gewerkschaft des Kabinenpersonal Kapers, die Ansicht vertritt, dass die Airline diese Dinge zur Verfügung stellen müsse. Vielleicht tut sie es ja bereits (siehe oben). Auch hier stellt sich aber wieder die Frage. Ist ihm das erst jetzt aufgefallen? Vollkommen absurd erscheint mir schließlich Manimanakis Vorwurf an die Fluggesellschaft, die Diskussion zeige, dass „sexistische Rollenbilder auch bei der Swiss noch heute existieren“.

Wo bitte ist denn die Erwartung, eine Strumpfhose als Teil der Dienstkleidung anzuziehen, sexistisch? Es geht um das Tragen eines Kleidungsstücks. Es geht nicht darum, dass Flugbegleiterinnen ihren Gästen sexuelle Erlebnisse bescheren sollen. Natürlich mag der eine oder andere Strumpfhosen sexuell anziehend finden. Aber das liegt dann doch wohl an dessen Persönlichkeit, nicht an der Strumpfhose. Vielleicht gibt es aber auch den ein oder anderen, der Schnürschuhe an Frauenbeinen erregend findet. Dann hätte Manimanakis ein dickes Eigentor geschossen. Denn die Erlaubnis, dass auch Frauen Schnürschuhe tragen dürfen, hat er mit ausgehandelt.

 


 

 

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