Entrüstung fehl am Platz

Screenshot wish.com

Bei Wish.com bieten zahlreiche verschiedene Händler die Plus-Size-Strumpfhosen an.

Dass es einfacher ist, sich zu entrüsten, als sich gründlich über ein Thema zu informieren, zeigt eine aktuelle Diskussion im Internet. Es geht dort um eine angebliche Werbekampagne für Strumpfhosen in Übergröße des Onlinemarktplatzes Wish, die einen regelrechten Shitstorm hervorgerufen hat. Gleichzeitig beweist dieser Shitstorm, wie einfach es ist, in der heutigen, digitalen Zeit auf einen populistischen Zug aufzuspringen, ohne sich wirklich Gedanken über das Thema machen zu müssen. In vielen Läncdern der Erde (zum Beispiel Australien, USA, Großbritannien oder Indien, empören sich Blogger(innen) sowie Mitarbeiter(innen) von Medien und Onlineportalen darüber, dass zwei schlanke Modelle diese Plus-Size-Kleidungsstücke beim Online-Shoppingportal Wish.com präsentieren. Man fragt sich warum? Gerade durch den Kontrast zu den normal gebauten Frauen wird die Dehnbarkeit des Materials extrem gut zum Ausdruck gebracht.

Der unangebrachte Zorn über die Darstellung richtet sich aber erstaunlicherweise gegen die Marketingabteilung von Wish. Erstaunlicherweise deshalb, weil schon eine einfache Bildersuche bei Google jeden, der es gewollt hätte, darüber informiert hätte, dass diese Bilder schon seit vielen Monaten in Dutzenden von Verkaufsportalen und auf Dutzenden von Webseiten zu sehen sind (zum Beispiel tictacbody.com, Frankreich, gilis.store, Kanada, brostuffshop.com, USA, irecommend.ru, Russland). Zudem ist Wish.com kein eigenständiger Shop. Es handelt sich vielmehr um einen virtuellen Marktplatz, auf dem verschiedene Händler ihre Produkte verkaufen können. Auch ein Blick auf gut ein Dutzend ähnlicher Angebote von unterschiedlichen Wish-Händlern, die allesamt identisches Bildmaterial verwenden, hätte die Kritiker zum Nachdenken veranlassen müssen.

Vielleicht handelt es sich doch nicht um eine Werbekampagne, sondern um Bildmaterial des Herstellers? Gleichzeitig zeigt sich eine eklatante Unkenntnis der Funktion von Onlinemarktplätzen. Da gibt es nämlich in der Regel neben der zentral von der Marketingabteilung entwickelten Imagewerbung für das Portal oder spezielle Aktionen keine von einer Marketing- oder Werbeabteilung initiierte Werbung für einzelne Produkte. Stattdessen können Händler im Rahmen bestimmter Aktionen (zum Beispiel einem Sonderverkauf vor Weihnachten) einzelne Produkte durch automatiserte Kampagnen hervorheben lassen. Nichts anderes ist hier offensichtlich geschehen. Aber wie man es auch betrachtet: Wish.com und allen Anbietern dieses Produktes nützt die virale Verbreitung der Empörung. 

 

 



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