Ins Gefängnis wegen Strumpfhosen-Diebstahls?

Strumpfhosen-Symbolfoto

Strumpfhosen-Symbolfoto

Mit Überschriften wie „Diebstahl von zwei Strumpfhosen bringt Frau ins Gefängnis“ (welt.de) oder „Frau wird beim Klauen von zwei Strumpfhosen erwischt – 355 Tage Gefängnis“ (sauerlandkurier.de) buhlen die genannten und andere Medien um die Aufmerksamkeit ihrer Leser. Was mir neben der eigentlichen Banalität dieser Meldung die Haare zu Berge stehen lässt, ist der Versuch, dem Leser einen Zusammenhang zu suggerieren, der nicht existiert. Denn tatsächlich hat der behauptete Strumpfhosen-Diebstahl (bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt ein Beschuldigter als unschuldig) in einem Drogeriemarkt im Essener Hauptbahnhof rein gar nichts mit der erwähnten Gefängnisstrafe zu tun. Außer, dass die Frau nach dem angeblichen Diebstahl von der Bundespolizei einer Personenkontrolle unterzogen wurde. Dabei stellten die Beamten fest, dass ein offener Haftbefehl gegen die Frau vorlag. Dieser bezog sich aber auf das Nichtbezahlen einer Geldstrafe aus einem zurückliegenden Urteil. Er hatte rein gar nichts (in Zahlen: null) mit dem Vorfall in Essen zu tun. Da die Frau sich erneut weigerte, die Strafe zu bezahlen, musste sie die ersatzweise verhängte Haftstrafe antreten. Diese Art der Suggestion ist Journalismus übelster Art. Er übertrifft das reine Verwenden des Wortes Strumpfhose in der Überschrift zum Erzielen von Aufmerksamkeit bei weitem. Diese, hier schon mehrfach angeprangerte Art ist lediglich schlechter Journalismus.

 


 

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