Homophober US-Arzt beleidigt Balletttänzer

Titelseite des Flyers des Louiseville Ballet

Die Titelseite des Flyers, mit dem das Louisville Ballet für die Aufführung HumanAbstract warb.

Dass Männer, die Strumpfhosen tragen, schwul seien, ist ein Vorurteil, dass sich hartnäckig in der Gesellschaft hält. Das gleiche Vorurteil begegnet Männern, die Ballett tanzen. Es braucht nur ein paar Reizwörter, schon schlägt die Homophobie neue Wellen. Der US-amerikanische Arzt Dr. Roberto Bolli, Herz-Kreislauf-Spezialist an der Universität von Louisville, machte dieser ganz persönlichen Homophobie Luft – und wurde prompt als Chefredakteur der Verbandszeitschrift Circulation Research entlassen. Dies berichten unter anderem die Onlineportale Friendly Atheist und Arts writing is Dead. Der Vorfall, um den es geht, liegt schon mehrere Monate zurück. Seinerzeit fand der Herr Doktor einen Werbeflyer des Louisville Ballet für die Aufführung „HumanAbstract“ in seinem Briefkasten. Auf dem Flyer war die Rückansicht zweier nur mit einer Strumpfhose bekleideter Männer zu sehen, die obendrein noch Händchenhalten. Nun darf man zu Recht fragen, ob die Wahl eines solchen Motivs glücklich ist. Meiner Meinung nach nicht, denn es war absehbar, dass es eine (nicht vorhandene) Verbindung zwischen Männern, Homosexualität und Strumpfhosentragen herstellt, erwartbare Reaktionen hervorruft und Vorurteile bestätigt. Dass die Reaktionen allerdings so heftig ausfielen wie bei Bolli, ist eine andere Sache. Er warf dem Ballett unter anderem vor, Homosexualität und Sodomie zu fördern, „die Kultur mit einer abscheulichen Ideologie, Perversion und Unmoral zu verschmutzen“ und nannte die Verantwortlichen „Günstlinge des Satans“. Der Flyer sei „grässlicher Schmutz“, der sein Haus verseucht habe. Nach Bekanntwerden des Briefes entließ die American Heart Association Bolli aufgrund seiner „religiös begründeten Bigotterie“ als Chefredakteur der Verbandszeitschrift, weil dessen Äußerungen nicht zum Leitbild des Verbandes passten. Konsequenzen durch seinen Arbeitgeber musste der homophobe Arzt bedauerlicherweise nicht hinnehmen, da der Brief an das Ballett über einen privaten Mailaccount geschrieben worden war.

 


 

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