Fake-News auch beim Thema Strumpfhosen

Screenshot Google Kirsty Usher

Deutsche Medien recyceln eine Geschichte aus dem vorigen Jahr.

Wer hätte gedacht, dass es auch beim Thema Strumpfhosen Fake-News gibt? „Nichts ist so alt wie die Tageszeitung von gestern.“ Dieses deutsche Sprichwort stammt aus einer Zeit, als das Internet noch in weiter Ferne war. Das World Wide Web hat diese schon recht kurze Zeitspanne verkürzt. Heute würde man vielleicht formulieren: „Nichts ist so alt wie der Post von vor einer Stunde“ – oder ähnlich. Aber egal, ob Print- oder Digitalmedium: Geblieben ist die sogenannte Saure-Gurken-Zeit, das Sommerloch. Dies wird gewöhnlich mit Geschichten wie „Ein Tag im Freibad“, „Eine Nacht auf Streife“, „Mit der Straßenbahnlinie X durch Y“ und ähnlichen journalistischen Highlights gefüllt.

Besonders einfach macht man es sich, wenn man auf Meldungen zurückgreift, die bereits erschienen sind. Wie zum Beispiel heute bei merkur.de, hna.de, rga.de oder 24vest.de zu sehen. Da titelt die Autorin Jasmin Pospiech mit Datum vom 25.7.2019: „Frau trug 19 Jahre nur dicke Strumpfhosen – nun enthüllt sie ihr trauriges Geheimnis.“

Der aufmerksame Leser hat ein Déjà-vu. Zu Recht. Denn gibt man beispielsweise die Suchbegriffe „Kirsty Usher+Psoriasis“ bei Google ein, so findet man einige der heutigen Veröffentlichungen in deutschen Medien. Aber nicht nur die. Sondern mit Erstaunen stellt man auch fest, dass diese Meldung bereits – fast auf den Tag genau – vor einem Jahr, im Juli 2018, ihre Runde durch die unterschiedlichsten Medien und Sozialen Netzwerke in aller Welt machte. Man merke sich: Nicht alle, die von sich behaupten, Qualitätsjournalismus zu liefern, machen das auch wirklich.

Das Absurdeste an diesem Meldungs-Recycling ist aber, dass es sich um versteckte Werbung für eine überteuerte Babycreme handelt. Die ist vielleicht in der Lage, dem Produzenten dank der zahlreichen kostenlosen Publikationen die Taschen zu füllen. Bei Schuppenflechte bleibt sie aber vollkommen wirkungslos. Es ist halt nur eine Feuchtigkeitscreme. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Bonmot zum Schluss: bunte.de titelte im August 2018: „20 Jahre lang trug eine Mutter blickdichte Strumpfhosen – was ihr half, ist kaum zu glauben“. Haben Sie es gemerkt? 2018 trug die Dame seit 20 Jahren Strumpfhosen, 2019 seit 19 Jahren. Erstaunlich, wie die Zeit nicht nur vergeht, sondern sogar rückwärts läuft. Den letzten Halbsatz aus der Bunte-Überschrift kann ich nur unterstreichen und leicht abwandeln: Wie meine Journalisten-Kollegen arbeiten, ist kaum zu glauben.

 


 

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